Florentino eröffnet den Wahlkampf vor 1.800 Gästen
Mit minutenlangem Applaus und „Florentino, Florentino“-Sprechchören wurde Florentino Pérez am Abend im Hotel Meliá Castilla empfangen. Rund 1.800 Personen verfolgten den offiziellen Auftakt seines Wahlkampfs für die Präsidentschaft von Real Madrid — verteilt auf drei komplett gefüllte Säle.
Neben zahlreichen Socios, Peñas und Medienvertretern waren auch bekannte Gesichter aus dem Klubumfeld vor Ort. Unter anderem nahmen José Ángel Sánchez, Pirri und Santiago Solari an der Veranstaltung teil. Besonders emotional wurde es beim Erscheinen von Ronaldo Nazário und Roberto Carlos, die vom Publikum gefeiert wurden.
Nach einem Video zur Kandidatur betrat Florentino Pérez schließlich selbst die Bühne — und startete sofort mit einem Angriff auf Herausforderer Enrique Riquelme.
Das offizielle Präsidium von Florentino Pérez
Neben der offiziellen Kandidatur von Florentino Pérez hat Real Madrid bereits sein geplantes Präsidium vorgestellt. Der langjährige Präsident setzt dabei auf folgende Personen.
Präsidium
- Florentino Pérez — Präsident
- Eduardo Fernández de Blas — Vizepräsident
- Pedro López Jiménez — Vizepräsident
- Enrique Sánchez González — Vizepräsident
- Enrique Pérez Rodríguez — Vizepräsident
Sekretär
- José Luis del Valle Pérez
Weitere Vorstandsmitglieder
- Jerónimo Farré Muncharaz
- Manuel Cerezo Velázquez
- José Sánchez Bernal
- Manuel Torres Gómez
- Manuel Gómez Barrera
- Gumersindo Santamaría Gil
- José Manuel Otero Lastres
- Nicolás Martín Sanz-García
- Manuel Redondo Sierra
- Catalina Miñarro Brugarolas
- José Ángel Sánchez
- Francisco García Sanz
- Donato González Sánchez
Florentino attackiert Enrique Riquelme und das Umfeld von Ramón Calderón
Mit folgenden Worten begrüßte Pérez die Anwesenden:
„Danke für die Zuneigung, die ich von euch erhalte. Unser Zusammenhalt ist unsere Stärke, der Zusammenhalt von Real Madrid. Ich bin vor 26 Jahren gekommen, damit Real Madrid der beste Verein des 21. Jahrhunderts wird. Ich habe als Präsident stets mit größter Verantwortung gehandelt. Deshalb solltet ihr wissen, warum ich vorgezogene Wahlen einberufe, obwohl mir noch drei Jahre meiner Amtszeit verbleiben.“
Der amtierende Präsident machte früh klar, warum er die vorgezogenen Wahlen ausgerufen hat — und gegen wen sich seine Worte richten.
„Seit Monaten bemerke ich eine Kampagne im Hintergrund gegen Real Madrid. Es stimmt nicht, dass ich Wahlen verhindere. Die einzigen Eigentümer dieses Klubs sind die Mitglieder. Jetzt, da es einen Kandidaten gibt, wissen wir auch, wer dahintersteckt.“
Dabei spielte Pérez direkt auf die Zeit unter Ramón Calderón an.
„Es sind dieselben Leute, die bei einer Mitgliederversammlung dabei waren, die wir alle aus unserer Erinnerung streichen möchten. Sie haben damals die Souveränität der Mitglieder gestohlen. Wir wissen alle, wie die Ära Ramón Calderón endete — mit der größten Schande in 124 Jahren Vereinsgeschichte. Sie kommen nicht, um Real Madrid zu dienen. Sie kommen, um sich selbst zu bedienen. Ich gehöre Real Madrid, andere wollen, dass Real Madrid ihnen gehört.“
„Die Mitglieder werden immer Eigentümer des Klubs bleiben“
Auch auf die Aussagen Riquelmes zum Thema Mitgliederstruktur reagierte Florentino direkt und verteidigte das aktuelle Modell des Vereins.
„Die Mitglieder sind und bleiben Eigentümer unseres Klubs — egal wie viele Lügen erzählt werden. Wir müssen schützen, was wir in unseren Händen haben. Solange ich Präsident bin, werde ich verhindern, dass jemand daran rührt.“
Außerdem sprach Pérez über die Probleme rund um Dauerkarten und Schwarzmarktverkauf.
„Ich weiß, dass es viele Socios gibt, die gewisse Dinge nicht können oder sich nicht leisten können.
Wir arbeiten gemeinsam mit der Polizei daran, den illegalen Ticketweiterverkauf zu bekämpfen. Das werden wir jede Saison tun.
Der Kampf gegen den Schwarzmarkt bedeutet, das Eigentum und die Rechte der Socios zu verteidigen.“
Damit reagierte er indirekt auf mehrere Vorschläge aus Riquelmes Wahlprogramm, das besonders stark auf soziale Reformen und Mitgliederrechte fokussiert ist.
Florentino kündigt die nächste große Real-Madrid-Ära an
„Wir arbeiten weiter. Wir haben die Schwachstellen erkannt und verstärken sie, um erneut etwas zu erreichen, was niemand zuvor geschafft hat. Mit Technologie und einer Mannschaft, die wieder Titel gewinnen soll. Es ist noch keine zwei Jahre her, dass wir etwas geschafft haben, was niemand zuvor erreicht hatte — die 15. UEFA Champions League und die 36. LaLiga.
Und solange ich hier bin, werde ich weiter dafür kämpfen.“
Das „Infinite Bernabéu“ und die Zusammenarbeit mit Apple
Im weiteren Verlauf seiner Rede stellte Florentino Pérez vor allem die technologische Zukunft des Santiago Bernabéu in den Mittelpunkt.
„Die Transformation des Stadions bedeutet, dass wir Dinge möglich machen können, die unmöglich erscheinen. Das Bernabéu besitzt die Technologie der Zukunft.“
Besonders spannend ist die Zusammenarbeit mit Apple.
„Mit Apple entwickeln wir derzeit etwas völlig Neues. Wir sprechen über eine technologische Utopie, die Realität werden wird. Wir wollen die Träume weiter nähren, die Real Madrid auf der ganzen Welt auslöst.“
Geplant sei unter anderem eine virtuelle Stadionerfahrung, mit der Fans Spiele künftig von überall auf der Welt immersiv erleben könnten.
Weiter sprach er über die Reichweite und Führungsrolle, die Real Madrid inne hat:
„Wir sind der einzige Klub der Welt mit mehr als 600 Millionen Followern in den sozialen Netzwerken. Wir wissen, dass Real Madrid im Weltfußball eine Führungsrolle übernehmen muss. Und mit mir als Präsident wird Real Madrid immer unsere Interessen — und die Interessen des Fußballs — verteidigen.“
Der lauteste Applaus des Abends: Der „Fall Negreira“
Den emotionalsten Moment des Abends löste allerdings ein anderes Thema aus: der „Fall Negreira“.
Während Enrique Riquelme am Vormittag bei dem Thema lediglich über eine „Respektlosigkeit“ sprach, stellte Florentino Pérez die Schiedsrichter-Affäre rund um Barcelona klar in den Mittelpunkt seiner Rede.
„„Ich werde nicht aufhören, den Negreira-Fall anzuprangern — einen der größten Skandale im spanischen Fußball.
Weltweit versteht niemand, wie ein Klub 20 Jahre lang den Vizepräsidenten der Schiedsrichter bezahlen konnte und hier nichts passiert ist — und dass dieselben Schiedsrichter weiterhin in LaLiga pfeifen.“
Dafür erhielt Pérez den größten Applaus des gesamten Abends.
„Wir sind der einzige Klub, der sich offiziell in diesem Fall positioniert hat und dagegen vorgegangen ist. Es ist ein beschämender Fall, wir haben bereits alle Unterlagen vorbereitet und werden sie an die UEFA weiterleiten, und natürlich werde ich unermüdlich dafür kämpfen, dass dieses System der Vetternwirtschaft aufgelöst wird.“
Auch LaLiga und Tebas geraten ins Visier
Zum Abschluss ging Florentino Pérez erneut auf Konfrontationskurs mit LaLiga.
„Ich werde keinen Schritt zurückgehen, wenn es um die Verschwendung der Liga-Gelder und die Angriffe gegen unseren Klub geht. Meine einzige Aufgabe ist es, Real Madrid zu verteidigen.“
Dann wurde die Rede persönlicher.
„Mein Vater hat mir beigebracht, Madridista zu sein. Seit meinem vierten Lebensjahr habe ich verstanden, dass Real Madrid eine Art ist, das Leben zu verstehen.“
Und zum Ende richtete er sich direkt an die anwesenden Mitglieder: „Danke für eure Unterstützung und eure Zuneigung. Uns bleibt noch viel Geschichte zu schreiben.“
Ronaldo sorgt für emotionalen Abschluss
Zum Abschluss der Veranstaltung sind Ronaldo Nazario und Roberto Carlos ebenfalls auf die Bühne gekommen, um Florentino zu bejubeln.
Ronaldo Nazário griff noch einmal zum Mikrofon und sagte: „Presi, du bist der Beste — und du wirst immer der Beste bleiben. Hala Madrid“
Danach verabschiedete sich Florentino Pérez unter großem Applaus. Der Präsident wirkte kämpferisch, offensiv — und bereit für einen Wahlkampf, den es bei Real Madrid seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.
