Zwischen „Pajarito“ und „Halcón“
Federico Valverde erlebt aktuell eine der besten Phasen seiner Karriere. Als Führungsspieler bei Real Madrid und Uruguay, sportlich auf Topniveau und auch privat im Glück, zeigt sich der Uruguayer so offen wie selten zuvor.
Im Podcast Terapia Picante gewährte er tiefe Einblicke in seine Entwicklung – angefangen bei seinem Spitznamen:
„Ich war überall auf dem Platz unterwegs. Einer meiner Trainer nannte mich ‚Pajarito‘. Meinem Vater gefiel das nicht, aber er war der Einzige. Heute bin ich der ‚Halcón‘, weil ich aggressiver geworden bin. Aber ich bin immer noch dieses kleine Vögelchen.“
Schock bei Real Madrid: „Ich wusste nicht, was ich hier mache“
Sein Wechsel zu Real Madrid war für Valverde zunächst alles andere als einfach. Der Sprung aus Uruguay in die Welt von Valdebebas traf ihn hart.
„Es war mir unglaublich peinlich, das hat mich zerstört. Ich dachte: ‚Was mache ich hier eigentlich?‘ Als ich auf den Parkplatz kam und die Autos meiner Mitspieler gesehen habe… ich konnte mir nicht mal ein gutes leisten. In der Kabine sah ich dann die teuren Marken – ich wollte mich gar nicht umziehen oder habe mich schnell umgezogen, damit es niemand sieht.“
Ein Kulturschock, der ihn zunächst zweifeln ließ – und gleichzeitig prägte.
Der Zidane-Moment: „Ich wollte sterben“
Eine seiner kuriosesten Erinnerungen betrifft eine Szene im Training, die er bis heute nicht vergessen hat:
„Ich habe mal einen Torwart verletzt. Ich habe Luca Zidane an der Schulter verletzt. Ich wollte sterben, ich dachte, sie werfen mich raus… ich habe den Sohn von Zidane verletzt.“
Seine enorme Schusskraft ist berüchtigt – nicht nur bei Gegnern, sondern auch im Training:
„Einige Torhüter haben sich durch meine Schüsse verletzt. Meistens an der Schulter. Ich habe so dünne Beine, ich weiß nicht, woher diese Kraft kommt.“
Unsicherheiten aus der Jugend
Auch abseits des Platzes hatte Valverde mit Problemen zu kämpfen. Ein virales Video aus seiner Jugend, in dem seine Stimme verspottet wurde, traf ihn hart.
„Ich hatte damals Probleme mit meiner Stimme. Ärzte sagten mir, ich müsste operiert werden, aber wir konnten uns das nicht leisten. Wir dachten, es würde sich mit der Zeit ändern – aber das tat es nicht.“
Die Reaktionen im Internet belasteten ihn stark:
„Ich habe danach sehr gelitten. Die Leute wissen nicht, was dahintersteckt. Heute kann ich darüber lachen, aber damals war ich ein Kind. Ich habe mich oft nicht getraut zu sprechen, weil ich mich geschämt habe.“
Ancelotti als Vaterfigur
Besonders emotional wurde Valverde, als er über seinen früheren Trainer Carlo Ancelotti sprach:
„Ancelotti hat mich wachsen lassen, er hat mich im Fußball zum Strahlen gebracht, er hat mich an mich glauben lassen. Ich betrachte ihn als Familie. Ich liebe ihn sehr. Ich hoffe, dass sich unsere Wege eines Tages wieder kreuzen. Von allen Trainern ist Ancelotti der kompletteste.“
Sein schönstes Tor: „Ich wurde zu Vini Jr.“
Auch über sein persönliches Highlight auf dem Platz sprach Valverde mit einem Lächeln:
„Mein schönstes Tor erzielte ich 2022 gegen Mallorca. Ich verwandelte mich in Vini Jr.“ (lacht).
„Ich dribbelte an allen Spielern vorbei und erzielte ein Tor. Ich verstand nicht, was da vor sich ging. Ich habe mir das Tor 24 Stunden lang immer wieder angesehen.“
Morata-Foul: „Ich wusste, dass ich fliege“
Auch sportlich spricht Valverde offen über Grenzmomente – etwa sein hartes Foul an Álvaro Morata im spanischen Supercup-Finale 2020. Der Übeltäter wurde nach dem anschließenden Sieg als Spieler des Spiels ausgezeichnet und gefeiert – sogar von Atlético Coach Diego Simeone.
„In diesen drei oder vier Sekunden habe ich mir gesagt: ‚Ich bringe ihn zu Fall‘, ‚Er kommt hier nicht vorbei‘“ (lacht). „Ich habe versucht, ihn ohne Foul zu stoppen, aber er ist vor mich gezogen und ich habe die Kontrolle verloren.“ (lacht)
„Ich werde mich immer schlecht fühlen, weil ich nicht glaube, dass das das Bild ist, das Kinder sehen sollten – dass man foulen muss, um Spiele zu gewinnen. Aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass ich es für mein Team tun musste. Vor mir, Fede Valverde, steht immer die Mannschaft. Wenn sie mich vom Platz stellen wollen, dann sollen sie das tun. Wenn sie mich aus Madrid werfen wollen, dann sollen sie das tun – aber Madrid muss gewinnen.“
Und weiter: „Ich bin Südamerikaner, wir sind heißblütig. Manchmal hat man einfach diesen Impuls.“
👊🏆 Not all heroes wear capes.
— Real Madrid C.F. 🇬🇧🇺🇸 (@realmadriden) January 12, 2020
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