Huijsen über VAR, Mourinho und Ceuta: „Für mich ist das keine Politik, sondern Unterstützung“

Dean Huijsen ist zurück bei der spanischen Nationalmannschaft und spricht offen über die Enttäuschung nach seiner verpassten WM, seinen Platzverweis im Derby, die VAR-Debatte, José Mourinhos hohe Anforderungen und die Situation bei Real Madrid. Auch zur Diskussion um die Ceuta-Shirts bezieht der Innenverteidiger klar Stellung.

Zurück bei Spanien – und noch immer mit dem WM-Aus im Kopf

Für Dean Huijsen bedeutet die Rückkehr zur spanischen Nationalmannschaft viel. Der Innenverteidiger hatte die Weltmeisterschaft verpasst und macht keinen Hehl daraus, dass ihn diese Entscheidung emotional getroffen hat.

Über seine Rückkehr zur Nationalmannschaft: „Es ist natürlich eine Ehre, Spanien zu vertreten. Es war sehr schade, die Weltmeisterschaft zu verpassen, und emotional war das nicht einfach für mich. Aber jetzt bin ich wieder hier.“

Trotz der persönlichen Enttäuschung freute sich Huijsen über den WM-Titel Spaniens.

Über Spaniens Triumph: „Ich bin Spanier. Wenn Spanien eine Weltmeisterschaft gewinnt, fühlt es sich für mich als Spanier auch so an, als hätte ich gewonnen – auch wenn ich nicht als Spieler dabei war. Als Person schon. Trotzdem war es natürlich eine riesige Enttäuschung für mich.“

Die Mannschaft sei ohnehin schon mit hohen Erwartungen in die vergangenen Jahre gegangen. Nach dem WM-Titel sei dieser Anspruch noch einmal gestiegen.

Über die neue Ausgangslage: „Wir kamen schon als Europameister zusammen und die Anforderungen waren deshalb ohnehin hoch. Jetzt sind sie noch höher, weil wir mehr gewinnen wollen und weitere Titel holen wollen.“

Zum Auftakt wartet mit England direkt ein besonderes Spiel in Wembley.

Über Wembley: „Wembley ist ein historisches Stadion. Es gibt Stadien, in denen jeder Fußballer im Laufe seiner Karriere spielen möchte, und Wembley gehört dazu. Wir müssen dorthin fahren und gewinnen. Das ist das Einzige, was zählt.“

Auch den neuen, längeren Länderspielblock mit vier Partien innerhalb kurzer Zeit betrachtet Huijsen pragmatisch.

Über den neuen Kalender: „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das alte oder das neue Format besser ist. Nach dieser Pause kann ich das wahrscheinlich besser beurteilen. Am Ende sind es vier oder fünf Lehrgänge im Jahr und jetzt einer weniger. Der Kalender ist, wie er ist, und es sind viele Spiele. Ich glaube nicht, dass uns das besonders hilft.“

#4 🇪🇸 Dean Huijsen Dean Huijsen Abwehr 9Spiele 0Tore 0Assists Zum Spielerprofil

Derby, Platzverweis und VAR: „Wofür haben wir ihn dann?“

Deutlich emotionaler wurde Huijsen beim Blick auf das Derby gegen Atlético.

Über die Tage nach der Niederlage: „Beschissen, natürlich. Aber solche Dinge gehören zum Fußball. Man muss daraus lernen und weitermachen.“

Auch seinen eigenen Platzverweis nimmt er auf sich.

Über die Szene mit Giuliano: „Ich glaube, die Regel sagt, dass es Rot gibt, wenn du festhältst. Nach der Regel muss es also Rot sein. Trotzdem finde ich, dass es ein bisschen mehr Raum für Interpretation geben sollte. Wenn du jemanden am Hals packst und mit aller Kraft zu Boden ziehst, ist das etwas anderes. Es gab einen Kontakt, aber Giuliano war auch clever und hat sich fallen lassen, um den Elfmeter zu bekommen.“

Seine Verantwortung für die Szene stellt er nicht infrage.

Über die Folgen seiner Roten Karte: „Natürlich ist das meine Verantwortung. Wir hätten das Spiel gewinnen können.“

Deutlich weniger Verständnis hat Huijsen dagegen für die anderen umstrittenen Szenen des Derbys.

Über das Foul an Valverde: „Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum der VAR nicht eingreift. Der Schiedsrichter kann einen menschlichen Fehler machen, okay. Aber wofür haben wir dann den VAR?“

Dass Valverde nach dem Treffer nicht minutenlang am Boden liegen blieb, dürfe aus seiner Sicht keinen Einfluss auf die Entscheidung haben.

Über Valverdes Reaktion: „Es ist schade, weil der VAR genau dafür da sein sollte, dass Spieler nicht schauspielern und fünf Minuten auf dem Boden herumrollen müssen. Nur weil Fede nicht liegen bleibt und Theater macht, gibt es keine Rote Karte. Aber der VAR muss die Szene trotzdem richtig bewerten.“

Auch bei der Aktion gegen Bellingham fällt sein Urteil klar aus.

Über die zweite Szene: „Er geht mit beiden Beinen hoch rein und trifft ihn am Knie. Er hat dort sogar eine Wunde. Vielleicht tut es nicht extrem weh, aber er trifft ihn dort und für mich ist das Rot. Der Schiedsrichter sieht deutlich, dass er ihn mit den Stollen am Knie trifft. Ich weiß nicht, wo er ihn sonst treffen müsste, damit es Rot gibt.“

Mourinhos anschließende Pressekonferenz, in der der Trainer die Bilder der Szenen präsentierte, hatte die Mannschaft vorher nicht erwartet.

Über Mourinhos Reaktion: „Wir wussten nicht, dass er das machen würde. Aber ich finde, dass er recht hat. Und ich sage auch: Wenn es umgekehrt gewesen wäre, wäre ein riesiger Aufschrei entstanden.“

Huijsen will zwar nicht von systematischer Benachteiligung sprechen, verweist aber auf die Rolle des VAR.

Über die Schiedsrichterdebatte: „Wenn man sich die Statistiken anschaut, ist es auch nicht so, dass uns die Schiedsrichter besonders helfen. In der Woche davor gab es auch schon Situationen und in anderen Spielen ebenfalls. Wir wollen glauben, dass es Zufall ist. Aber genau dafür ist der VAR da – um solche Fehler zu korrigieren.“


Mourinho fordert Huijsen – und der Verteidiger will mehr

José Mourinho spielt in Huijsens Entwicklung eine zentrale Rolle.

Der Portugiese verlangt viel von seinem Innenverteidiger und Huijsen sieht darin einen Vorteil.

Über Mourinho: „Ich glaube, er weiß, wozu ich in der Lage bin, und deshalb fordert er sehr viel von mir. Ich habe im Sommer körperlich sehr viel gearbeitet, damit ich gut vorbereitet bin, und bislang fühle ich mich gut. Ich habe es schon in anderen Interviews gesagt: Sie fordern mich sehr stark, und das ist gut für mich.“

Auf die Frage, was Mourinho konkret von ihm verlange, blieb Huijsen gewohnt trocken.

Über Mourinhos Anforderungen: „Dass ich gut spiele, nehme ich an.“

Später wurde er noch einmal darauf angesprochen, wie sehr Mourinho ihn antreibt.

Über den Umgang des Trainers: „Schimpfen würde ich es nicht nennen. Aber er macht Druck, fordert mich und will, dass ich mich verbessere. Er will, dass ich gut für die Mannschaft bin. Das ist positiv.“


Sechs Punkte Rückstand? „Es liegt an uns“

Auch sportlich steht Real Madrid nach dem schwierigen Saisonstart unter Druck. Huijsen will daraus aber keine vorzeitige Grundsatzkrise machen.

Über den hohen Anspruch: „Es gibt im Fußball wenig Kredit. Die Anforderungen an uns sind sehr hoch und wir müssen einfach weitermachen.“

Die sechs Punkte Rückstand auf Barcelona hält er nicht für entscheidend.

Über die Liga: „Schaut auf die vergangene Saison. Da lagen wir nach dem Clásico sieben Punkte vorne und am Ende ist es trotzdem anders gekommen. Es ist noch alles offen. Wir wissen selbst, dass wir Dinge verbessern müssen, und wir müssen als Mannschaft gemeinsam daran arbeiten.“

Auch der noch ausstehende Besuch im Camp Nou ändert daran für ihn nichts.

Über die kommenden 31 Spiele: „Natürlich müssen wir dort gewinnen. Aber Fußball verändert sich sehr schnell. Es sind noch 31 Spiele. Es liegt noch ein sehr langer Weg vor uns.“

Barcelona schätzt er stark ein, ohne sich übermäßig damit zu beschäftigen.

Über Barcelona: „Ja, sie wirken stark. Ich schaue nicht viele ihrer Spiele, aber es sieht danach aus.“

Huijsen selbst verfolgt weiterhin viel Fußball, ohne dabei auf jede freie Minute zu verzichten.

Über seinen Fußballkonsum: „Ich schaue viel Premier League und natürlich Champions League. Aber ich werde nicht darauf verzichten, einen Freund zu sehen oder Zeit mit meiner Familie zu verbringen, nur um ein Spiel zu schauen. Man muss auch einmal abschalten.“


Ceuta-Shirts: „Für mich ist das kein politisches Thema“

Ausführlich äußerte sich Huijsen auch zur Diskussion um die Solidaritäts-Shirts für Ceuta vor dem Spiel in Elche.

Der Innenverteidiger beschreibt die Situation als Missverständnis.

Über die Situation im Kabinentrakt: „Ich glaube, es gab ein bisschen Verwirrung. Wir kamen dort an und wussten vorher nicht, dass wir dieses Shirt tragen würden. Ich bin Spanier und weiß, was es bedeutet. Für mich ist es kein politisches Thema, sondern eine Botschaft der Unterstützung für die Menschen in Ceuta, die leiden.“

Gleichzeitig kann Huijsen nachvollziehen, dass ausländische Teamkollegen die Situation anders wahrgenommen haben könnten.

Über unterschiedliche Perspektiven: „Vielleicht versteht jemand, der nicht von hier kommt, die Situation nicht vollständig und denkt, es sei ein politisches Thema. Am Ende macht jeder das, was er für richtig hält.“

Die Entscheidung einzelner Mitspieler, das Shirt nicht vollständig zu tragen, will Huijsen deshalb nicht bewerten.

Über seine Teamkollegen: „Ich finde es richtig, dass jeder selbst entscheidet, was er machen möchte. Einige von uns haben es getragen, andere nicht. Danach habe ich das Barcelona-Spiel gesehen und dort hatten, glaube ich, auch nicht alle das Shirt an. Da gab es aber deutlich weniger Diskussionen.“


Ballon d’Or? Huijsen legt sich nicht fest

Zum Abschluss wurde Huijsen nach dem Ballon d’Or gefragt.

Zwischen Lamine Yamal, Kylian Mbappé und den spanischen Weltmeistern wollte er keinen Favoriten nennen.

Über den Ballon d’Or: „Ich werde mich nicht festlegen.“

Auch auf Nachfrage blieb er bei seiner Position.

Über seine Kandidaten: „Jeder meiner Teamkollegen hätte ihn verdient – egal, ob aus der Nationalmannschaft oder von Real Madrid. Es gibt sehr viele Nominierte.“


RMXpress Fazit

Dean Huijsen spricht mit der Ruhe eines Spielers, der trotz seines jungen Alters bereits einiges erlebt hat. Er übernimmt Verantwortung für seine eigene Rote Karte, kritisiert gleichzeitig deutlich die aus seiner Sicht fehlenden VAR-Eingriffe und stellt sich hinter Mourinhos Reaktion nach dem Derby. Dabei bleibt seine Botschaft bei Real Madrid klar: Die Saison ist noch lang, sechs Punkte Rückstand entscheiden im September nichts.

Auch persönlich befindet sich Huijsen weiter in einem Lernprozess. Mourinho fordert ihn hart, weil er sein Potenzial kennt, und genau diese Anforderungen will der Innenverteidiger annehmen.

Bei der Diskussion um Ceuta positioniert er sich ebenfalls klar: Für ihn war das Tragen des Shirts kein politisches Statement, sondern ein Zeichen der Unterstützung. Gleichzeitig verteidigt er die Freiheit seiner Mitspieler, die Situation anders zu bewerten.

Zwischen Nationalmannschaft, Real Madrid und öffentlicher Debatte wirkt Huijsen dabei vor allem eines: zunehmend gefestigt.

QuelleOKdiario

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