Champions-League-Auftakt gegen Inter: Mourinho muss Real Madrids Mittelfeld neu erfinden

Die Champions League kehrt ins Santiago Bernabéu zurück – und Real Madrid steht direkt vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Nach der ersten Saisonniederlage bei Betis empfängt die Mannschaft von José Mourinho am Dienstag um 21:00 Uhr Inter Mailand und muss dabei vor allem im Mittelfeld zahlreiche Ausfälle auffangen.

Ausgangslage

Nach dem ersten Rückschlag der Saison bekommt Real Madrid kaum Zeit zum Nachdenken. Am Dienstagabend beginnt im Santiago Bernabéu die neue Champions-League-Saison. Zum Auftakt der Ligaphase wartet mit Inter Mailand direkt ein Gegner, der zu den anspruchsvollsten Aufgaben des Wettbewerbs gehört. Für Real Madrid bietet die Partie gleichzeitig die Gelegenheit, unmittelbar auf das 0:1 bei Real Betis zu reagieren. Mourinho hatte nach der Niederlage in Sevilla die Leistung seiner Mannschaft ausdrücklich verteidigt. Auch nach der anschließenden Videoanalyse blieb seine Einschätzung positiv: Real Madrid habe genug Chancen kreiert und sei vor allem an einer außergewöhnlich schwachen Chancenverwertung gescheitert.

Vor Inter zählt für den Portugiesen allerdings weniger die Art des Auftritts als das Ergebnis: „Ich will gewinnen. Ich könnte sagen, dass ich gut spielen möchte, aber ich will nicht wieder so gut spielen wie gegen Betis und dann verlieren.“

Das Duell ist das erste von acht Spielen in der neuen Ligaphase. Real Madrid trifft zuhause außerdem auf RB Leipzig, PSV und LASK. Auswärts geht es gegen AS Roma, AEK Athen, Arsenal und Shakhtar Donetsk.


Personal- & Kader-News

Mourinho muss ausgerechnet zum Champions-League-Auftakt sein Mittelfeld nahezu vollständig umbauen. Arda Güler, Eduardo Camavinga und Bernardo Silva fehlen gesperrt. Hinzu kommen Fragezeichen hinter Aurélien Tchouaméni und Thiago Pitarch. Beide arbeiteten am Sonntag erstmals wieder mit der Mannschaft. Auch im Abschlusstraining wurden sie nicht mehr als individuell trainierende Spieler geführt. Für einen Startelfeinsatz dürfte es nach ihren längeren Pausen allerdings nur schwer reichen.

Damit steht mit Federico Valverde nur ein etablierter zentraler Mittelfeldspieler ohne Einschränkungen zur Verfügung. Mourinho bestätigte auf seiner Pressekonferenz, dass mehrere Lösungen geprüft werden.

Die naheliegendste Variante wäre eine Chance für einen der jungen Spieler. Cestero besitzt dabei vermutlich die besseren Voraussetzungen. Der Mittelfeldspieler absolvierte die komplette Vorbereitung mit den Profis und kennt die Abläufe der ersten Mannschaft bereits aus der vergangenen Saison. Er kam damals fünfmal in Liga, Champions League und Copa del Rey zum Einsatz – einmal sogar von Beginn an. Auch bei der Castilla besitzt Cestero eine zentrale Rolle. Sowohl unter Álvaro Arbeloa als auch unter Julián López de Lerma führte er das Mittelfeld und sammelte bereits Erfahrung in wichtigen Nachwuchsspielen. Am Wochenende spielte er nur die erste Halbzeit und erzielte dabei einen sehenswerten Treffer. Das könnte durchaus Teil einer bewussten Belastungssteuerung mit Blick auf Inter gewesen sein.

Auch Sergio Martínez spielte lediglich 45 Minuten. Der 19-Jährige ist erst seit wenigen Tagen bei Real Madrid, hat aber innerhalb kürzester Zeit Eindruck hinterlassen. Nach seinem Wechsel von Racing Santander trainierte er bereits mit Mourinho, wurde für die Champions League registriert und reiste mit der ersten Mannschaft nach Sevilla. Bei seinem Castilla-Debüt überzeugte er ebenfalls. Der Trainer der Castilla lobte anschließend insbesondere seine Persönlichkeit und die Tatsache, wie schnell er sich trotz kaum vorhandener gemeinsamer Trainingszeit eingefügt habe. Sein Nachteil gegenüber Cestero ist allerdings offensichtlich: Martínez kennt Mannschaft, Abläufe und Anforderungen erst seit wenigen Tagen.

Mourinho besitzt noch eine deutlich konservativere Lösung. Jude Bellingham könnte neben Valverde ins zentrale Mittelfeld zurückgezogen werden. Damit würde Real Madrid zwar einen seiner aktuell gefährlichsten Spieler weiter vom gegnerischen Tor entfernen, gleichzeitig aber Erfahrung und Qualität im Zentrum gewinnen. Die frei werdende Position hinter Mbappé könnte anschließend von Brahim Díaz besetzt werden. Auch Yan Diomande wäre eine Option für die offensive Dreierreihe. Eine weitere Möglichkeit wäre, Carlos Espí gemeinsam mit Mbappé einzusetzen und das System entsprechend anzupassen.

Auch Trent Alexander-Arnold könnte Teil der Lösung werden. Mourinho wurde auf der Pressekonferenz ausdrücklich gefragt, ob der Engländer im Mittelfeld spielen könne. Eine Antwort gab er bewusst nicht.

„Wir haben drei, vier, fünf Möglichkeiten. Wir könnten jetzt über alle sprechen, aber am Ende werde ich dir trotzdem nichts verraten.“

Eine Variante wäre, Trent gemeinsam mit Valverde und Bellingham in einem Dreiermittelfeld einzusetzen. Denzel Dumfries könnte dann als Rechtsverteidiger beginnen. Real Madrid würde damit vom zuletzt bevorzugten 4-2-3-1 auf ein 4-3-3 oder 4-4-2 wechseln. Die ungewöhnlichste Option wäre Dean Huijsen. Der Innenverteidiger verfügt über die technische Qualität und Physis, um theoretisch vor der Abwehr eingesetzt zu werden. In diesem Fall könnten Antonio Rüdiger und Ibrahima Konaté die Innenverteidigung bilden.

Eine positive Nachricht gibt es im Angriff. Endrick ist wieder im Mannschaftstraining. Mourinho machte allerdings deutlich, dass der Brasilianer nach seiner langen Pause noch keine größere Belastung verträgt. „Morgen könnte er fünf Minuten spielen. Vielleicht zehn, maximal.“ Damit könnte Endrick erstmals seit Monaten wieder im Pflichtspielkader stehen. Ferland Mendy, Éder Militão, Rodrygo und Raúl Asencio setzen dagegen ihre jeweiligen Rehabilitationsprogramme fort. Mendy ist ohnehin nicht für die Champions-League-Ligaphase registriert.


Voraussichtliche Aufstellungen

Die größte Unsicherheit betrifft erwartungsgemäß Real Madrids Mittelfeld.

Im Tor ist Thibaut Courtois gesetzt.

In der Defensive dürfte Mourinho weitgehend auf seine zuletzt bevorzugte Formation zurückgreifen. Dumfries besitzt gute Chancen auf der rechten Seite, Huijsen und Konaté könnten erneut das Zentrum bilden und Marc Cucurella links beginnen.

Danach wird es kompliziert. Sollte Mourinho einem Nachwuchsspieler vertrauen, spricht aufgrund seiner Erfahrung mit der ersten Mannschaft derzeit vieles für Cestero neben Valverde. Bellingham könnte dann seine offensive Rolle behalten.

Mögliche Aufstellung Real Madrid: Courtois – Dumfries, Konaté, Huijsen, Cucurella – Valverde, Cestero – Brahim, Bellingham, Vinícius Jr. – Mbappé

Eine konservativere Alternative wäre: Courtois – Dumfries, Konaté, Huijsen, Cucurella – Valverde, Bellingham – Brahim, Diomande, Vinícius Jr. – Mbappé

Auch Trent im Mittelfeld bleibt ausdrücklich eine Option.


Stimmen zum Spiel

Mourinho möchte die Niederlage gegen Betis nicht als Belastung mit in die Champions League nehmen.

Über die Reaktion seiner Mannschaft: „Ich habe sie so gesehen, wie ich sie sehen möchte. Direkt nach dem Spiel waren sie in der Kabine völlig am Boden. Beim Training am Sonntag waren sie schon deutlich erholter und heute war alles wieder vollkommen normal. Nachdem wir das Spiel analysiert haben, sind wir immer mehr davon überzeugt, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben.“

Auch Kylian Mbappé sieht keinen Grund für Nervosität.

Über den Champions-League-Auftakt: „Ich bin sehr glücklich, wieder Champions League zu spielen. Wir gehen immer mit Motivation und großer Vorfreude in diesen Wettbewerb. Uns geht es gut. Es wird ein sehr anspruchsvolles Spiel, aber genau das ist die Champions League.“


Statistik & Wissenswertes

Real Madrid und Inter Mailand trafen bislang 13-mal im Europapokal beziehungsweise in der Champions League aufeinander. Das bislang letzte Duell stammt aus der Saison 2021/22.

Schiedsrichter der Partie ist Michael Oliver. Der Engländer leitet zum sechsten Mal ein Europapokalspiel von Real Madrid.

Seine bisherigen Einsätze:

  • Real Madrid – Juventus 1:3, Champions League 2017/18
  • Real Madrid – Eintracht Frankfurt 2:0, UEFA Super Cup 2022
  • Braga – Real Madrid 1:2, Champions League 2023/24
  • Olympiacos – Real Madrid 3:4, Champions League 2025/26
  • Real Madrid – Bayern München 1:2, Champions League 2025/26

Die Bilanz unter Oliver steht damit bei drei Siegen und zwei Niederlagen.

Auch Inter reist mit einem besonderen Spiel in den Beinen nach Madrid. Die Mannschaft von Cristian Chivu lag am Wochenende gegen Napoli nach 55 Minuten bereits 0:2 zurück. Innerhalb weniger Minuten begann jedoch die Aufholjagd. Lautaro Martínez verkürzte auf 1:2, Marcus Thuram erzielte in der 82. Minute den Ausgleich und Lautaro traf in der 91. Minute zum 3:2-Sieg. Damit kommt Inter mit entsprechendem Selbstvertrauen ins Bernabéu.

Für Mourinho besitzt das Wiedersehen auch eine persönliche Note. Chivu spielte einst unter dem Portugiesen und gehört für ihn weiterhin zu seinen ehemaligen Weggefährten. Während der 90 Minuten soll davon allerdings nichts zu spüren sein.


RMXpress Fazit

Der Zeitpunkt für Real Madrids Champions-League-Auftakt könnte kaum interessanter sein. Nach drei Siegen und der ersten Niederlage bei Betis muss Mourinhos Mannschaft erstmals unmittelbar auf einen Rückschlag reagieren. Gleichzeitig fehlen ausgerechnet im Mittelfeld fast sämtliche etablierten Optionen. Das eröffnet Cestero und Sergio Martínez eine außergewöhnliche Chance – oder zwingt Mourinho zu einer taktischen Lösung mit Bellingham, Trent oder sogar Huijsen.

Real Madrid geht deshalb nicht unter optimalen Voraussetzungen in die Partie. Aber genau solche Abende gehören zum Bernabéu und zur Champions League. Und Mourinho hat seine Priorität bereits ausgesprochen: Dieses Mal zählt weniger, wie Real Madrid spielt. Dieses Mal soll Real Madrid gewinnen.


RMXPRESS STATS

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Real Madrid
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5Siege 0Unentschieden 0Niederlagen 10:3Tore

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