Mbappé ohne Filter: „Interviews sind wie ein Boxkampf“
Kylian Mbappé zeigte sich so offen wie selten zuvor. In einer lockeren Gesprächsrunde bei „The Bridge“ zusammen mit Aurélien Tchouaméni und Achraf Hakimi sprach der Franzose über Themen, die weit über den Fußball hinausgehen – und erklärte gleich zu Beginn, warum solche Einblicke selten sind:
„Um ehrlich zu sein, bin ich Interviews langsam leid. Der Journalist ist da, um dich dazu zu bringen, Dinge zu sagen, die du eigentlich nicht sagen willst. Und du willst nicht das sagen, was er hören will. Es ist wie ein Boxkampf.“
Selbstkritisch: „Ich verteidige weniger – aber wenn, dann richtig“
Auch auf dem Platz zeigte sich Mbappé reflektiert. Besonders seine Defensivarbeit steht seit seinem Wechsel zu Real Madrid immer wieder in der Kritik.
„Ich bin ein Spieler, der etwas weniger verteidigt als andere – und manchmal kann das ein Problem sein. Aber ich merke, wenn ich es mache, hat es echten Einfluss auf das Team. Beim Real Madrid merkt man sofort, dass dann alle mitziehen.“
Und weiter:
„Ich werde dafür kritisiert, aber das stört mich nicht. Es ist konstruktive Kritik.“
Rassismus nach EM 2021: „Ich wollte die Nationalmannschaft verlassen“
Am emotionalsten wurde Mbappé beim Rückblick auf die Europameisterschaft 2021. Nach seinem verschossenen Elfmeter im Achtelfinale gegen die Schweiz erlebte er massive Anfeindungen.
„Ich wollte die französische Nationalmannschaft verlassen. Ich hatte Frankreich ganz oben auf meine Prioritäten gesetzt – und als ich verschossen habe, haben mich viele Leute einen Affen genannt und beleidigt. Da habe ich mich gefragt: Für diese Menschen kämpfe ich?“
Die Zeit danach beschreibt er drastisch:
„Ich war wie ein lebender Toter. Ich bin sehr tief gefallen. Beim ersten Turnier habe ich die WM gewonnen und war ein Held – und beim nächsten bekommst du das alles ins Gesicht. Das ist hart.“
Er habe dem Verbandspräsidenten sogar gesagt, dass er nicht mehr für Frankreich spielen wolle – doch dieser reagierte deutlich:
„Glaubst du wirklich, ich lasse dich aus diesem Büro gehen?“
Identität & Herkunft: „Ich bin Franzose – das kommt aus dem Herzen“
Auch über seine Wurzeln sprach Mbappé ausführlich:
„Ich habe mich für Frankreich entschieden, weil ich dort geboren wurde – ich bin Franzose. Ich habe mein ganzes Leben in Frankreich verbracht, bin mit der französischen Kultur aufgewachsen, auch wenn ich kamerunische und algerische Wurzeln habe. Aber ich bin mit der französischen Kultur groß geworden. Das kommt aus dem Herzen.“
Und weiter:
„Wenn ich mich zwischen dem Land meines Vaters, Kamerun, und dem Land meiner Mutter, Algerien, entscheiden müsste? Ich bin eher mit der kamerunischen Kultur aufgewachsen und stand meiner Familie aus Kamerun näher. Aber inzwischen habe ich auch eine engere Verbindung zu meiner algerischen Seite aufgebaut und möchte dorthin reisen, da ich noch nie dort war. Ich schicke Ethan nach Algerien – und ich würde für Kamerun spielen.“
Klare Meinung: „Mittelfeld ist die schwierigste Position“
Mbappé überraschte auch mit einer spannenden Einschätzung über Fußballpositionen:
„Ich finde, Innenverteidiger ist die einfachste Position, weil du von allen Seiten abgesichert bist – man kann sogar mit Dreierkette spielen. Es ist die einzige Position, auf der man noch 40-Jährige bei den größten Klubs Europas sieht. Stürmer mit 40? Die landen beim Metzger.“
Er erklärte weiter, dass das Mittelfeld die Schlüsselposition ist:
„Ich denke, dass das Mittelfeld die schwierigste Position im Fußball ist. Du kannst ohne Stürmer gewinnen, du kannst ohne Verteidiger gewinnen. Du kannst sogar ohne Torwart gewinnen – aber ohne einen guten Mittelfeldspieler hat dein Team kein Gleichgewicht.“
Rivalität mit Gvardiol: „Ich vergesse solche Dinge nicht“
Auch über seinen Torjubel im Champions League Playoff-Rückspiel im Februar 2025 gegen Manchester City in Richtung Joško Gvardiol sprach Mbappé offen:
„Es begann im Hinspiel. Bei einem Konter hat er mich hart gestoppt und ‘Yeah!’ gerufen. Ich vergesse solche Dinge nicht.“
Freundschaft & Duell: Mbappé vs. Hakimi
Ein weiteres Highlight war seine Beziehung zu seinem besten Freund Achraf Hakimi während der WM 2022:
„Wir haben zusammen Football Manager gespielt und jeden Tag telefoniert. Je weiter wir kamen, desto mehr merkten wir, dass wir gegeneinander spielen könnten. Er hat mir immer gesagt: ‚Wir kommen weiter‘ – und ich habe geantwortet: ‚Ja, wir auch‘.
Aber irgendwann ging es nicht mehr für beide weiter, im Halbfinale. Wir haben trotzdem noch gesprochen, aber da war schon ein bisschen dieses ‚hmmm‘ dabei.“
Kuriose Story: Führerschein in Madrid
Für Lacher sorgte Mbappé mit einer Geschichte abseits des Platzes:
„Seit ich meinen Führerschein gemacht habe, hatte ich jede Menge Probleme. Ich wollte die Prüfung eigentlich schon in Paris ablegen, aber das war komplizierter. Als ich nach Madrid kam, habe ich einen Weg gefunden, die Prüfung anonym abzulegen. In Madrid haben wir eine Lösung gefunden, anonym, in einer Art privater Session.“
Tchouaméni scherzte:
„Er hat bezahlt.“
Mbappé konterte:
„Wenn du gut fährst, muss er dich bestehen lassen. Ich habe alles richtig gemacht und gut gelernt. Und ich verrate dir mal was: Ein Fan von Atlético Madrid hat mir geholfen, die Prüfung zu bestehen (lacht).“
